Die Farbe „Champagner“: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

 

Wenn es ein Wort gibt, das Gold wert ist, dann ist es „Champagner“. Es steht einerseits für das bedeutendste französische Luxusgetränk und andererseits für die Anbauregion – und selbstverständlich reicht sein Ruf bis weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. „Champagner“ ist für Liebhaber und Profiteure gleichermaßen attraktiv und genießt Schutzrechte, die dieser Attraktivität Rechnung tragen.

 

Daher ist die Bezeichnung „Champagner“ eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung. Und da jeder Schatz seinen Wächter braucht, hat das Champagne-Komitee (Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne, CIVC) noch nie eine Gelegenheit ausgelassen, Gerichte zu dessen Schutz anzurufen.

 

Schon viele haben versucht, aus dem Prestige der Bezeichnung „Champagner“ Gewinn zu schlagen. Das Gesetz legt hierzu fest, dass „die geografische Bezeichnung als Ursprungsbezeichnung oder jede andere Bezeichnung, die darauf hindeutet, weder für ein ähnliches Produkt verwendet werden darf [...] noch für ein anderes Produkt oder eine andere Dienstleistung, wenn diese Verwendung geeignet ist, den Ruf der Ursprungsbezeichnung zu missbrauchen oder zu schädigen“ (Art. L. 115-5 frz. Code de la Consommation). „Champagner kommt nur aus der Champagne[FW1] “, wie das CIVC gerne betont.

 

Aus diesem Grund werden Sie nie das Parfum „Champagner“ von Yves Saint Laurent auftragen. Sie werden niemals „Champagner-Kekse“ von Delos et Cantreau essen und auch nie „Champagner-Zigaretten“ von SEITA rauchen. Aber könnte man die Farbe „Champagner“ tragen?

 

Das CIVC ist in diesem Punkt unnachgiebig: es hält das für unmöglich, denn die Farbe „Champagner“ gibt es nicht. Die „Champagner“-Weine weisen tatsächlich viele verschiedene Farbvarianten auf, sodass man diese Bezeichnung nicht für eine präzise Farbschattierung verwenden kann. Larousse (das französische Pendant zum Duden), Wikipedia oder der Farbenspezialist Pantone scheinen aber nicht der gleichen Meinung zu sein, denn die Farbe „Champagner“ hat auf deren Seiten eine Definition und sogar einen Farbcode.

 

Man könnte meinen, es sei vollkommen harmlos, ein Produkt als „champagnerfarben“ zu bezeichnen, zumal die Franzosen seit langer Zeit gewohnt sind, eine andere Ursprungsbezeichnung – „Bordeaux“ – als Bezeichnung für einen Rotton zu verwenden. Viele Firmen, vor allem in der Bekleidungsbranche, bieten daher Modelle in der Farbe „Champagner“ an.

 

Laut Art. L. 115-5 des französischen Verbrauchergesetzes (Code de la Consommation) und Art. L 643-2 des französischen Gesetzbuchs für Landwirtschaft und Seefischerei (Code rural et de la pêche maritime) kann die kontrollierte Ursprungsbezeichnung niemals als Gattungsbezeichnung betrachtet und öffentliches Eigentum werden. Trotz dieser Bestimmungen erregte das Gerücht, es werde ein „champagnerfarbenes“ iPhone mit goldenem Gehäuse herauskommen, sofort die Missbilligung des CIVC.

 

Der Grund: ein Unternehmen von der Größe Apples kann die Bezeichnung „Champagner“ nicht verwenden, ohne dass die Gefahr besteht, den Ruf der Ursprungsbezeichnung zu schwächen. Aber wie wir zuvor erläutert haben (vgl. Art. 115-5 des Code de la Consommation), ist die Schädigung des Rufs einer Ursprungsbezeichnung strafbar.

 

Daher kann man, obwohl zu diesem Thema noch kein Urteil ergangen ist, darauf wetten, dass die Verwendung der Bezeichnung „Champagner“ als kommerzielle Bezeichnung eines Produkts, zur Beschreibung der Farbe eines Modells, von den französischen Gerichten verurteilt würde.

 

In jedem Fall provoziert die Verwendung des Wortes „Champagner“, selbst als Beschreibung einer Farbe außerhalb des Marken- oder Produktnamens, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Reaktion des CVIC.

 

Um lange und teure Verfahren mit ungewissem Ausgang zu vermeiden, können wir daher nur raten, Farbtöne, die an die Farbe von „Champagner“ erinnern, mit weniger riskanten Bezeichnungen zu versehen: Gold, Beige, Gelb, gold- oder sandfarben sind sicherlich vorzuziehen. 

 

KontaKt : Catherine LEVALET


Veröffentlichungsdatum : Juli 2014

Zurück zur Liste
Anmeldung für den Newsletter